Benutzerspezifische Werkzeuge
Sie sind hier: Startseite Erste Hilfe Aussteiger Wie Anna den Ausstieg aus der rechtsextremistischen Szene schaffte?

Aussteiger

Wie Anna den Ausstieg aus der rechtsextremistischen Szene schaffte?

— abgelegt unter:

Die Geschichte erzählt vom schweren Weg hinaus aus der Neonazi Szene.

Vom schweren Weg hinaus aus der Neonazi-Szene

Nach einem anstrengenden Arbeitstag sitzt Anna H. (alle Namen von der Redaktioin geändert) abends ...(gekürzt) vor dem Fernseher. Sie ist müde, überlegt, ob sie ins Bett gehen soll. Doch plötzlich schreckt sie auf. «In Berlin wurden gestern bei einer Neonazidemonstration drei Skinheads festgenommen», sagt der Nachrichtenspre-cher. Es werden Aufnahmen von glatzköpfigen Männern mit Plakaten gezeigt, auf denen Parolen wie «Sozial geht nur national» oder «Deutschland den Deutschen» stehen. Es braucht nicht viel, um sich auszumalen, was Anna H. in solchen oder ähnlichen Momenten fühlt. Bilder wie in diesem Szenario wecken Erinnerungen. Keine schönen Erinnerungen. Denn Anna H. ist früher bei Demonstrationen von Rechtsextremisten mitgelaufen. Zuletzt vor dreieinhalb Jahren.

Ihre ersten Kontakte zur rechtsextremen Szene hatte Anna H. mit 15 Jahren, als sie wegen ihrer Ausbildung vom Land in eine ...(gekürzt) Stadt zog. Dort baute sie sich einen neuen Freundeskreis auf. «Über diese Leute lernte ich dann auch meinen damaligen Freund kennen» ...(gekürzt). Durch ihre Beziehung ...(gekürzt) wurde sie schnell in die Gruppe integriert und nahm regelmäßig an Kameradschaftstreffen und manchmal auch an Szene-Demonstrationen teil. Außerdem durfte Anna H. bald organisatorische Aufgaben übernehmen. «Das waren aber kleine Sachen. Bei uns hatten ganz klar die Männer das Sagen. Frauen wurden meist als Anhängsel oder 'Betthäschen' gesehen.»

Schockierendes Erlebnis

Zweieinhalb Jahre war Anna H. dabei. Dann stieg sie trotz enger Bindung an die Gruppe aus. Dass ihr der Ausstieg gelang, liegt an einem besonderen Erlebnis, das ihr heute noch in Erinnerung ist. «Wir haben einen Kameraden ausgeraubt, ... (gekürzt).» Im anschließenden Ermittlungsverfahren folgten viele Gespräche mit der Polizei. «Da habe ich plötzlich gemerkt, dass in meinem Leben einiges schief läuft. Die Polizei hat mir die Augen geöffnet und auch konkret geholfen, indem sie mich auf das Aussteigerprogramm des Bayerischen Verfassungsschutzes hinwies.» Bei diesem Programm gilt das Motto «Hilfe zur Selbsthilfe». «Wir nennen den Betroffenen Ansprechpartner, die sie psychologisch unterstützen oder bei der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz helfen», sagt Robert Bihler, Sprecher des Bayerischen Landesamtes für Verfassungsschutz. Bihler kennt die Situation in Oberfranken gut. Er arbeitet am Ort mit verschiedenen Institutionen zusammen, die sich gegen Rechts stark machen. Auch an Veranstaltungen in Gräfenberg nimmt er gelegentlich teil.

Das Aussteigerprogramm des Verfassungsschutzes in Bayern ist nicht das einzige in Deutschland; es gibt weitere in anderen Bundesländern, die ebenfalls beim Verfassungsschutz oder anderen Behörden angesiedelt sind...(gekürzt).

Wie groß ist die Gefahr, die von den früheren Kameraden ausgeht, tatsächlich? «Dieser Aspekt wird etwas überbewertet», so die Einschätzung von Bihler. «Wenn man seinen früheren Freunden glaubhaft versichern kann, dass man beispielsweise wegen eines Berufswechsels umzieht, kommt es selten zu Drohungen oder Gewaltanwendungen. So war das bisher bei unserem Programm». Die Neonazis würden allerdings aggressiv reagieren, wenn die Aussteiger mit ihrer Geschichte an die Öffentlichkeit gehen, erklärt der Sprecher des bayerischen Verfassungsschutzes weiter ...(gekürzt).

Hauptproblem Isolation

Das Hauptproblem für Aussteigewillige sieht Bihler aber darin, dass sich Freunde und Familie häufig von Menschen abwenden, die in die rechtsextreme Szene abgleiten. «Danach beschränkt sich das soziale Umfeld auf die Kameradschaft. Das macht den Ausstieg sehr schwierig», sagt er.

So war es auch bei Anna H. «Meine Familie und meine Freunde zu Hause waren von der Sache natürlich überhaupt nicht begeistert und wandten sich nach vielen Streitereien von mir ab. Nach dem Ausstieg fühlte ich mich erst mal verdammt einsam». Heute hat sie ihr Leben wieder im Griff ...(gekürzt).

Eva Schenk

© NORDBAYERISCHE NACHRICHTEN

Details zum Herausgeber:

Nordbayerische Nachrichten

Forchheim, Ebermannstadt

Artikelaktionen
Über uns

Bayern gegen Rechtsextremismus richtet sich an alle, die sich pädagogisch, politisch und persönlich mit Rechtsextremismus auseinandersetzen.  [mehr...]